USA

< zurück zu Projekte

BLACKFIRE – Ein Warnsignal

                                                                  von Michaela Mayer
Zu kriegerischen Zeiten bedeckten die Navajo das Feuer mit Decken und erzeugten damti eine schwarze Rauchwolke, die vor Feinden warnte. Heutzutage zeigt die indianische Punk-Rock Band „Blackfire“ mit ihren sozialpolitischen Texten Probleme der indianischen Bevölkerung auf und räumt mit weit verbreiteten Stereotypen auf.
Blackfire, das sind die Diné (=Eigenbezeichnung, bekannter ist das Volk unter dem Namen Navajo) Geschwister Clayson, Klee und Jeneda Benally, die neben Punk-Elementen auch starke traditionelle Einflüsse in ihrer Musik einbinden. Diese Richtung bezeichnen sie als wahren „alter–native rock“. Ihre provokanten Texte handeln von der immer noch andauernden Unterdrückung der indianischen Bevölkerung Nordamerikas, weisen aber auch international auf Verletzungen der Menschenrechte hin.
 
 
Blackfire (von links nach rechts): Clayson, Jeneda und Klee
Aufgewachsen ist das Power-Trio in der Krisenregion Big Mountain, in Arizona, wo zur Zeit die letzten noch traditionell lebenden Navajo von der US-Regierung zwangsumgesiedelt werden. Als Vorwand dient der von der Regierung angefachte Landkonflikt zwischen Hopi und Diné, die auf dem gleichen Gebiet leben (siehe auch Artikel zu Black Mesa). Auch die Benally Familie ist von diesem Konflikt betroffen und leitet Widerstand. Bei ihren Konzerttouren zeigen die Geschwister diese Missstände auf. Begleitet werden sie von den Eltern. Der Vater ist traditioneller Tänzer und anerkannter Heiler.

Am 24. Januar 2003 traten sie in der Szene Wien auf und erzählten den Akin-AktivistInnen Michaela Mayer und Gawan Maringer über ihre Tour, ihre Anliegen und Hoffnungen.
Akin: Wie gefällt euch die Tour bis jetzt? Wir haben gehört, ihr wart auch in Afrika?
Klee (E-Getarre, Gesang): Wir haben unsere Tour in Mali begonnen, und wir hatten keine Ahnung, wie unsere Musik dort aufgenommen werden würde. Das Treffen mit den Tuareg war sehr interessant. Wir erkannten die Ähnlichkeiten der Lebensweisen, der Probleme, die sie haben. Auch sie versuchen, an ihrer kulturellen Identität festzuhalten.
Jeneda (Bass, Gesang): Ja, es war ein großartiger Kulturaustausch. Ich war ein bisschen nervös vor dem Auftritt, weil die Tuareg sehr traditionelle Menschen sind und sie so etwas wie Punkmusik nicht kennen, doch die Aktzeptanz war unglaublich!
  Akin: Welche Erwartungen habt ihr vorher gehabt?
  Klee: Was wir uns von jeder Tour erwarten: Wir wollen unsere Kultur mit den Leuten teieln, unsere Musik, die Konflikte, die wir erleben, und vermitteln, dass wir alle in irgendeiner Weise mitverantwortlich sind. Es liegt eine Botschaft in unserer Musik. Wir wollen Kontakte knüpfen. Die Leute sitzen zuviel vor dem Fernseher und kennen nur die Stereotypien über die Indianer. Wenn sie hören, dass indianische Musiker auftreten, denken sie an viele Federn und so, was nicht ganz schlecht ist, weil dies auch ein Teil von uns ist. Was die Leute aber nicht verstehen, ist, dass wir auch „modern“ sind und eine gegenwärtige Kultur haben. Dies zu vermitteln, ist uns ein besonderes Anliegen. In einer anderen Botschaft geht es um die umweltbedingten und menschenrechtlichen Konflikte. Deswegen sind wir heute hier.
  Akin: Sind die Leute, die zu euren Konzerten kommen, eher an eurer Musik interessiert, oder auch an den politischen Problemen, die in euren Texten vorkommen?
  Clayson (Schlagzeug, Gesang): Letztlich mach(t)en wir eher kulturelle Veranstaltungen, doch wir haben ein weites Spektrum an Altersgruppen. Natürlich sind manche mehr interessiert an der Politik. Kulturelle Vielfalt ist eines von unseren Schwerpunktthemen, niemanden auszuschließen, um nicht noch mehr Grenzen zu erzeugen. Ich denke, jeder hat etwas Wichtiges zu sagen und jede Person hat seine/ihre besondere Art dies auszudrücken. Genau genommen ist es doch immer dasselbe: Die Leute wollen zusammenkommen und reden. Und man muss ihnen auch zuhören.
  Akin: Könnt ihr uns über die neuesten Vorkommnisse aus der Black Mesa, wo ihr lebt, erzählen?
  Klee: Am 17. August 2001 kamen die Hopi-Sheriffs zusammen mit den County-Sheriffs von der Regierung und zerstörten das „Sundance Festival“ mit Bulldozern und Waffengewalt. Es war auch eine Opferzeremonie, und die haben einfach alles kaputt gemacht. Danach hängten sie ein Schild auf, auf dem stand „Das Gebiet der Anna Mae Sundance Grounds ist bis auf weiteres auf Grund der Nutzung der natürlichen Ressourcen geschlossen“. Dies war ein deutliches Zeichen dafür, was die Regierung mit unserem Land vorhat.
  Akin: Was sind eure Hoffnungen oder Visionen für die Zukunft des Reservates oder auch für die Indianer allgemein?
  Jeneda: Ich denke Eigenständigkeit, das ist meine Hoffnung. Dass Soveränität genau definiert wird, und dass wir eine eigenständige Nation werden mit unseren eigenen politischen Systemen, unserer eigenen Gesundheitsvorsorge, unserem eigenen Schulwesen und einer tragfähigen Wirtschaft mit starken kulturellen Grundlagen.
Klee: Ich stimme meiner Schwester zu, doch würde ich den kulturellen Angelegenheiten noch mehr Bedeutung zumessen. All die Probleme, die wir heute haben, sind verbunden mit der Art, wie unser Volk zwangsumgesiedelt wurde, wie unsere Umwelt zerstört wurde und wie unsere Leute inhaftiert werden, wenn sie für unsere Rechte eintreten. Wir hoffen, dass unsere spirituelle, traditionelle Souveränität etwas darstellt, das auf einer internationalen Ebene und speziell in unserer Beziehung mit den Vereinigten Staaten respektiert werden kann.
  Akin: Wie seht ihr denn die neuesten politischen Entwicklung der USA, speziell Bushs „Krieg gegen den Terrorismus“?
  Jeneda: Es ist sehr traurig, denn Bush und seine Regierung – es ist nicht mehr die Regierung des Volkes – wollen einen Krieg gegen Terrorismus, der eigentlich ein Krieg für Öl ist, doch dafür wird in den Staaten nicht geworben. Aber es hat schon heftige Proteste in den USA gegeben, worüber die Presse natürlich wieder einmal nicht berichtet.
Klee: Wir Indianer können uns mit der Tragödie vom 11. September identifizieren, weil auch wir von Terrorismus, der jedoch von der US-Regierung ausgeht, betroffen sind. Die USA versuchen, die Weltpolizei zu sein, doch die Friedensbewegung ist stark. Sie muss noch stärker werden und ich hoffe, dass viele Leute aufwachen und sich ihr anschließen. Die Menschen müssen langsam einsehen, welche Folgen ihr Lebensstil, zum Beispiel die Nutzung fossiler Brennstoffe und Energiereserven für die Zukunft haben kann.
Clayson: Es gibt so viel Aggression überall und es herrscht Angst unter den Meschen. Bush nützt diese Gefühle aus und kann sich deshalb alles erlauben.
  Akin: Vielen Dank für das Interview und viel Glück für die Show!
  Kurz nach diesem ersten Gespräch, gingen die Geschwister auf die Bühne und präsentierten eine tolle, mitreissende und energiegeladene Show. Das leider nicht zahlreich erschienene Publikum war begeistert. Wenn es nun jemanden leid tut, das Konzert versäumt zu haben, so hat er/sie möglicherweise im Herbst nochmals die Chance, „Blackfire“ live zu erleben. Wir werden rechtzeitig darüber berichten.
Mehr Informationen über Blackfire