Akin:
Wie gefällt euch die Tour bis jetzt? Wir haben gehört, ihr wart auch
in Afrika?
Klee
(E-Getarre, Gesang):
Wir haben unsere Tour in Mali begonnen, und wir hatten keine Ahnung, wie
unsere Musik dort aufgenommen werden würde. Das Treffen mit den Tuareg
war sehr interessant. Wir erkannten die Ähnlichkeiten der Lebensweisen,
der Probleme, die sie haben. Auch sie versuchen, an ihrer kulturellen
Identität festzuhalten.
Jeneda
(Bass, Gesang):
Ja, es war ein großartiger Kulturaustausch. Ich war ein bisschen nervös
vor dem Auftritt, weil die Tuareg sehr traditionelle Menschen sind und
sie so etwas wie Punkmusik nicht kennen, doch die Aktzeptanz war
unglaublich!
Akin:
Welche Erwartungen habt ihr vorher gehabt?
Klee: Was wir uns von jeder Tour erwarten: Wir wollen unsere Kultur mit den
Leuten teieln, unsere Musik, die Konflikte, die wir erleben, und
vermitteln, dass wir alle in irgendeiner Weise mitverantwortlich sind.
Es liegt eine Botschaft in unserer Musik. Wir wollen Kontakte knüpfen.
Die Leute sitzen zuviel vor dem Fernseher und kennen nur die
Stereotypien über die Indianer. Wenn sie hören, dass indianische
Musiker auftreten, denken sie an viele Federn und so, was nicht ganz
schlecht ist, weil dies auch ein Teil von uns ist. Was die Leute aber
nicht verstehen, ist, dass wir auch „modern“ sind und eine gegenwärtige
Kultur haben. Dies zu vermitteln, ist uns ein besonderes Anliegen. In
einer anderen Botschaft geht es um die umweltbedingten und
menschenrechtlichen Konflikte. Deswegen sind wir heute hier.
Akin:
Sind die Leute, die zu euren Konzerten kommen, eher an eurer Musik
interessiert, oder auch an den politischen Problemen, die in euren
Texten vorkommen?
Clayson
(Schlagzeug, Gesang):
Letztlich mach(t)en wir eher kulturelle Veranstaltungen, doch wir haben
ein weites Spektrum an Altersgruppen. Natürlich sind manche mehr
interessiert an der Politik. Kulturelle Vielfalt ist eines von unseren
Schwerpunktthemen, niemanden auszuschließen, um nicht noch mehr Grenzen
zu erzeugen. Ich denke, jeder hat etwas Wichtiges zu sagen und jede
Person hat seine/ihre besondere Art dies auszudrücken. Genau genommen
ist es doch immer dasselbe: Die Leute wollen zusammenkommen und reden.
Und man muss ihnen auch zuhören.
Akin:
Könnt ihr uns über die neuesten Vorkommnisse aus der Black Mesa, wo
ihr lebt, erzählen?
Klee: Am 17. August 2001 kamen die Hopi-Sheriffs zusammen mit den County-Sheriffs
von der Regierung und zerstörten das „Sundance Festival“ mit
Bulldozern und Waffengewalt. Es war auch eine Opferzeremonie, und die
haben einfach alles kaputt gemacht. Danach hängten sie ein Schild auf,
auf dem stand „Das Gebiet der Anna Mae Sundance Grounds ist bis auf
weiteres auf Grund der Nutzung der natürlichen Ressourcen
geschlossen“. Dies war ein deutliches Zeichen dafür, was die
Regierung mit unserem Land vorhat.
Akin:
Was sind eure Hoffnungen oder Visionen für die Zukunft des Reservates
oder auch für die Indianer allgemein?
Jeneda: Ich denke Eigenständigkeit, das ist meine Hoffnung. Dass Soveränität
genau definiert wird, und dass wir eine eigenständige Nation werden mit
unseren eigenen politischen Systemen, unserer eigenen
Gesundheitsvorsorge, unserem eigenen Schulwesen und einer tragfähigen
Wirtschaft mit starken kulturellen Grundlagen.
Klee: Ich stimme meiner Schwester zu, doch würde ich den kulturellen
Angelegenheiten noch mehr Bedeutung zumessen. All die Probleme, die wir
heute haben, sind verbunden mit der Art, wie unser Volk
zwangsumgesiedelt wurde, wie unsere Umwelt zerstört wurde und wie
unsere Leute inhaftiert werden, wenn sie für unsere Rechte eintreten.
Wir hoffen, dass unsere spirituelle, traditionelle Souveränität etwas
darstellt, das auf einer internationalen Ebene und speziell in unserer
Beziehung mit den Vereinigten Staaten respektiert werden kann.
Akin:
Wie seht ihr denn die neuesten politischen Entwicklung der USA, speziell
Bushs „Krieg gegen den Terrorismus“?
Jeneda: Es ist sehr traurig, denn Bush und seine Regierung – es ist nicht mehr
die Regierung des Volkes – wollen einen Krieg gegen Terrorismus, der
eigentlich ein Krieg für Öl ist, doch dafür wird in den Staaten nicht
geworben. Aber es hat schon heftige Proteste in den USA gegeben, worüber
die Presse natürlich wieder einmal nicht berichtet.
Klee: Wir Indianer können uns mit der Tragödie vom
11. September identifizieren, weil auch wir von Terrorismus, der jedoch
von der US-Regierung ausgeht, betroffen sind. Die USA versuchen, die
Weltpolizei zu sein, doch die Friedensbewegung ist stark. Sie muss noch
stärker werden und ich hoffe, dass viele Leute aufwachen und sich ihr
anschließen. Die Menschen müssen langsam einsehen, welche Folgen ihr
Lebensstil, zum Beispiel die Nutzung fossiler Brennstoffe und
Energiereserven für die Zukunft haben kann.
Clayson: Es gibt so viel Aggression überall und es herrscht Angst unter den
Meschen. Bush nützt diese Gefühle aus und kann sich deshalb alles
erlauben.
Akin:
Vielen Dank für das Interview und viel Glück für die Show!
Kurz nach diesem ersten Gespräch,
gingen die Geschwister auf die Bühne und präsentierten eine tolle,
mitreissende und energiegeladene Show. Das leider nicht zahlreich
erschienene Publikum war begeistert. Wenn es nun jemanden leid tut, das
Konzert versäumt zu haben, so hat er/sie möglicherweise im Herbst
nochmals die Chance, „Blackfire“ live zu erleben. Wir werden
rechtzeitig darüber berichten.
Mehr Informationen über Blackfire
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