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BLACKFIRE – Ready to Rock!
von Gawan Maringer und Michaela Mayer
Am 20. August waren Blackfire, die indianische Punk/Rock Band nun zum zweiten Mal in Wien. Die drei Diné Geschwister Clayson, Jeneda und Klee Benally verweisen mittels ihrer soziopolitischen Texte auf Missstände und Konflikte und versuchen Stereotypen bezüglich nordamerikanischer Indigener zu beseitigen. Auch außerhalb des Studios endet ihr Engagement nicht.
Nach einer energiegeladenen mitreißenden Show, die leider wieder einmal nur karg besucht war, trafen sich drei AKIN – Aktivisten, Michaela Mayer, Guy Daniels und Gawan Maringer mit Blackfire zum Interview. Im Vordergrund stand jedoch diesmal nicht ihre Musik, sondern ihre außermusikalischen Projekte.
klee benally
Akin: Was waren denn eure wichtigsten Projekte seit wir euch das letzte Mal im Jänner 2003 in Wien gesehen haben?
Jeneda (Bass, Gesang): Wir widmeten unser Engagement den San Francisco Peaks, Berge im Bundesstaat Arizona nahe der Diné (Navajo) Reservation, die für 13 indianische Völker heilig sind. Unser Protest richtet sich gegen den Ausbau des Skiresorts „Arizona Snowbowl“, welches mit Hilfe von Abwässern aus der naheliegenden Stadt Flagstaff auf den heiligen San Francisco Peaks Schnee erzeugen will. Deswegen gründeten wir eine Kampagne, versuchten mittels dieser öffentliche Aufmerksamkeit zu erlangen und sammelten Unterschriften. Wenn das Coconino National Forest Service (= US – Verwaltung der San Francisco Peaks, Ariona ) wirklich zu diesem Ausbau zustimmt, dann wird dies für immer unsere Kultur verändern.
Klee (E-Gitarre, Gesang): Das Forest Service und viele Bürger von Flagstaff haben sich jedoch bereits ihre Meinung gebildet. Sie sehen Projekte in den Bergen als eine gute Investitionsmöglichkeit an. Heute sollten alle Menschen das Recht haben, ihre Kultur, ihre Spiritualität zu bewahren, doch dies ist hier nicht der Fall. Die Diné Medicine Man Association, und die Hopi Nation brachten diesen Fall bereits 1979 vor Gericht. Der Fall, Wilson v. Block kam sogar bis zum Obersten Gerichtshof, doch dieser verstand nichts von indianischer Spiritualität. Sie meinten, nachdem das Skiresort auf der einen Seite von den Bergen war, sollten die Indigenen auf der anderen Seite beten gehen. Wenn ich den Altar aus einer Kirche nehme und dies damit rechtfertige, dass dieser doch lediglich nur ein Prozent der ganzen Kirche ausmache, wäre dies dasselbe. Nachdem das Skiresort uns nicht den Weg zu den Bergen blockiert, wurde der Fall abgewiesen. Nun will Snowbowl expandieren und tausende von Litern von Abwässer über unsere heiligen Berge sprühen.
Jeneda: Die Projektbetreiber beabsichtigen auch einen 39 000 Liter fassenden Teich zwecks Speicherung des zu verwendeten Abwassers anzulegen. Ebenso sollen Pipelines in der Erde zu Transportzwecken entstehen. Überlegungen zum Schutze der Flora und Fauna sind nicht angestellt worden. Trotz der Überzeugung einiger Ökologieexperten, dass die gefilterten Abwässer dennoch für die Umwelt schädlich seien, änderte dies nichts an den Plänen.
Klee: Die Verwendung von geklärtem Abwasser ist wohl der kontroversiellste Punkt bezüglich des Projekts. Allerdings ist dieser Umstand beispielweise für die Hopis weniger gewichtig. Sie glauben, dass ihre Götter, die Katsinas, in den Bergen wohnen und für die Wasservorkommen und den Regen verantwortlich sind. Wenn nun allerdings sogar während der warmen Monate Schnee mittels Maschinen auf heiligem Boden erzeugt werden kann, erscheint das Wirken der Katsinas überflüssig. Sie haben Angst, dass die Katsinas sich dann zurückziehen und das Volk der Hopi sich selbst überlassen wird.
Clayson (Drums): Für die Diné repräsentieren die San Francisco Peaks ebenso kulturimmanente Symbole. Die traditionelle Diné-welt ist durch vier heilige Berge begrenzt. Die San Francisco Peaks stellen die westliche Grenze dar. Unsere Mythologie, unsere Spiritualität ist auf diesen Bergen verwurzelt und nicht als getrennt von ihnen zu betrachten. Jeder der 4 heiligen Berge steht für eine Phase des Sonnen- und Lebenszyklus.
Klee: Für traditionell lebende Diné, Träger unserer Spiritualität, wie beispielsweise Heiler, ist die Erde und die auf ihr wachsenden Pflanzen der San Francisco Peaks essentieller Bestandteil von Medizinen. Jegliche Verschmutzung derselbigen stellt ein Sakrileg dar. Künstliche Schneeproduktion aus Abwasser ist ein derartiges Sakrileg. In Flagstaff werden viele Kunstwerke der umgebenden Native Americans zum Kauf angeboten, wenn es jedoch um den Erhalt unserer Spiritualität, unserer Kultur jenseits des Konsums geht, ist kein Respekt zu erwarten.
Jeneda: Wenn sie (die Geschäftsleute von Flagstaff) Geld mit indigenen Kulturen machen können werden wir akzeptiert, wenn es um existenzielle indigene Belange geht, sieht die Lage anders aus.
Clayson: Aufgrund der Nähe des Grand Canyons und anderer Sehenswürdigkeiten ist der Tourismus einer der grössten Einnahmequellen Flagstaffs. Falls jene Touristen jedoch erfahren, wie mit indigenen Menschen umgegangen wird, werden sie sich möglicherweise überlegen, ihre „indianischen Souvenirs“ woanders zu kaufen.
Klee: Es ist interessant welche Vorstellungen ein Großteil der Bürger Flagstaffs bezüglich der Snowbowl als Einnahmequelle hat und wie die Situation bei der Durchbringung des Projekts aller Wahrscheinlichkeit nach aussehen wird. Lediglich die Hotels und Skigeschäfte werden phasenweise profitieren. Andere, bis dahin sichere Einnahmen, werden aufgrund des Ausbleibens der Indigenen zwecks Boykott drastisch zurückgehen.
Jeneda: Wir haben viel dazu beigetragen, den Prozeß zur Durchführung der Snowbowl zu verlangsamen. Unsere Aktionen kosteten den Projektbetreibern bereits viel Geld. Aufgrund 8000 Unterschriften, die wir innerhalb von nur 45 Tagen sammeln konnten, zeigten sich das Coconino Forest Service und die Betreiber doch ein wenig beeindruckt und mussten zur Kenntnis nehmen, dass diese Sache weit über die regionalen Grenzen Flagstaffs und Arizona Aufsehen erregt
Klee: Die Menschen sollten darüber informiert sein, dass die massive Beschneidung indigener Ethnien im neuen Millenium ein untolerierbarer Zustand ist.
AKIN:  Auf welche Weise können beispielsweise Menschen aus Österreich Euch und die 13 indigenen Völker in dieser Angelegenheit unterstützen?
Jeneda: Informationen verbreiten, Briefe und e-mails an die Betreiber und das Coconino National Forest Service schreiben. Aktionen dieser Art können wirklich einen entscheidende Wirkung erzielen..
Clayson: Nur mit Hilfe der 8000 Unterschriften konnten wir erheblichen Druck ausüben. 1996 hatten wir bereits Erfolg, einen anderen, jedoch geringer geplanten  Projektausbau auf diese Weise zu Stoppen.
Klee: Wesentlich ist, unsere Online – Petitionen zu unterschreiben. Diese findet ihr auf einer eigens von uns kreierten Aktions – Homepage: www.savethepeaks.org Unterstützungsbeiträge sind natürlich auch gerne willkommen, da wir alle nur „ehrenamtlich“, als Volontiere, diesbezüglich arbeiten.
AKIN: Habt ihr noch andere Anliegen und Projekte neben Eurem Engagement für die San Francisco Peaks?
Clayson: Wir arbeiten an einer Dokumentation um unsere Jugend zum Wählen zu bewegen. Auch sie sollen die Möglichkeit wahrnehmen, Präsident Bush abzuwählen. Die Wahlentscheidung überlassen wir ihnen freilich selber.
Klee: Der Raubbau durch die Peabody Kohlenmiene auf dem Black Mesa Gebiet und das daraus entstandene Leid für tausende Diné und hunderte Hopi ist uns seit jeher ein wesentliches Anliegen. Auch hierzu sind Online-Informationen verfügbar: www.blackmesatrust.org  ,   www.blackmesawatercoalition.org
Jeneda: Solange wir mit der Unterstützung gut funktionierender, internationaler Netzwerke engagierter Menschen rechnen können, ist es uns möglich erfolgreich gegen massive Mißstsände anzukämpfen.
Noch einmal die Unterstützungsadressen:
www.savethepeaks.org
www.blackmesatrust.org
www.blackmesawatercoalition.org
Informationen über Blackfire:
www.blackfire.net