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WAS
IST EIN "ECHTER" INDIANER ?
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von Michaela Mayer-Daniels
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„Die
Leute sitzen zuviel vor dem Fernseher und kennen nur die Stereotypen über
die Indianer. Wenn sie hören, dass indianische Musiker auftreten,
denken sie an viele Federn und so, was nicht ganz schlecht ist, weil dies
auch ein Teil von uns ist. Was die Leute nicht verstehen ist, dass wir
auch „modern“ sind und eine gegenwärtige Kultur haben. Dies ist
eines unsere Anliegen.“ (Klee Benally, Navajo, Arizona USA, Mitglied
von der indianischen Punk/Rock Band „Blackfire“)
Über keine anderen ethnischen Gruppen in den USA gibt es so viele, weit
verbreitete Klischeevorstellungen, wie die der Native Americans. In
Filmen, Büchern, und Comics werden sie dargestellt: die „typischen
Indianer“. Entweder als wilde, heidnische Barbaren, die alle Weißen
skalpieren, oder als edle Wilde.
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Stereotypen
hier...
Im
deutschsprachigen Raum wurde das ebenso romantische wie falsche Bild des
„Indianers“ vor allem durch die Trivialliteratur Karl Mays geprägt.
Bis heute machen sich Geschäftsleute diese Begeisterung für die
Klischeevorstellungen zu nutzen. In so genannten „Indianerdörfern“
bieten sie Freizeitkurse im Bogenschießen, „Indianertänze“,
„Kriegsbemalung“ etc. an. Die meisten Besucher wollen dort ihre
Ideen bestätigt sehen , so wird mit Tipis und Marterpfählen nicht
gespart. Mit der Präsentation vom realen Leben der indigenen
Nordamerikas und deren sozialer und politischer Situation lassen sich
eben nicht so viele Menschen anlocken. Nur wenige Mitteleuropäer wollen
sich mit den Problemen, mit denen die Native Americans zu kämpfen
haben, bewusst machen. Jedoch sollte man auch nicht außer Acht lassen,
dass einige Indianer als „Gastarbeiter“ bei diesen Veranstaltungen
doch Geld verdienen können, indem sie zum Beispiel traditionelle Tänze
zeigen. Gelegentlich findet der eine oder andere Besucher auch Kontakt
zu den indigenen Künstlern und fängt an, sich mehr mit Problemen der
Indianer im realen Leben auseinander zu setzen. Klischees sind nicht
unbedingt immer grundsätzlich falsche Informationen, doch geben sie nur
einen Teil der sehr umfassenden Kultur wieder. Vielen ist somit nicht
bewusst, dass es über 500 verschiedene indianische Ethnien gibt. Sie
haben völlig unterschiedliche Lebensweisen und Kulturen, die in den
letzten Jahrhunderten genauso einem Entwicklungsprozess unterzogen waren
wie die europäischen. Auch früher wohnten beispielsweise nur wenige
Indianernationen tatsächlich in Tipis.
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...und
in den USA
Unterschiedlich zu
den Stereotypen im deutschsprachigen Raum, die durch den „edlen
Winnetou“ positiv geprägt sind, fallen die Vorurteilein Nordamerika
eher negativ aus. Das Bild des betrunkenen, obdachlosen, arbeitslosen
Indianer ist weit verbreitet, jedoch teilweise auch die erschreckende
Wahrheit, wenn man sich Statistiken über die Native Americans näher
anschaut (so liegt zum Beispiel) die wahre Arbeitslosigkeit in den
Reservaten bei cirka 80 bis 90 Prozent). Diese Sicht tut allen anderen
Indianern, die täglich ihren Job nachgehen, schwer Unrecht.
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Auch
die Idee von den Indianer verschleudertes Steuergeld, geistert in den Köpfen
vieler US-Bürgern. Sicherlich gibt es viele Alkoholkranke unter den
Native Americans, doch genauso jene, die nur gelegentlich bzw. keine
Spirituosen konsumieren. Verleitet wurden die meisten Indigene von den
Europäern, die so die betrunkenen Indianer besser ausnutzen konnten.
Freilich halten manche Native Americans – wie natürlich viele andere
Menschen weltweit – Alkohol für eine Möglichkeit, ihren Sorgen und
Probleme, meistens ausgelöst durch die Weißen, zu vergessen.
„Stereotypen sind ein Teil des nationalen Bewusstseins. Wenn Leute
anfangen würden, sich mit den indianischen Völkern und deren Kulturen
wahrheitsgemäß und ernsthaft zu beschäftigen, dann müssen wir auch
anfangen, uns über den Genozid Gedanken zu machen, der hier in den USA
verübt wurde...und das wird nie passieren.“ (Sherman Alexie,
Spokane/Coeur d'Alene Indian, indianischer Autor).
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„Herzige
Maskottchen“
Indianische Namen
und Symbole für Sportmannschaften oder andere Highschool - Teams sind
ein weitere heißer Diskussionspunkt. Namen wie „Chiefs“,
„Seminols“, „Cherokees“, jedoch auch verächtliche Bezeichnungen
wie beispielsweise „Redskins“ oder „Savages“ lassen so manchen
Indianer grün vor Wut werden. Diese so genannten indianischen
Maskottchen reduzieren hunderter Indigene zu dümmlich grinsenden, Feder
beschmückten Comic – Charakteren, die nicht nur die traditionelle
indigene Kultur entwürdigen, sondern vor allem auch indianische
Jugendliche über ihre Herkunft beschämt machen. Dies meint auch die
US-Kommission für zivile Rechte und fordert die Abschaffung von
indianischen Logos oder Symbolen besonders in Schulen. Barbara Munson,
Mitglied der Oneida Nation meint:“ Indianische Logos und Spitznamen
unterstützen und erhalten Stereotypen über bestimmte Völker. Wenn so
ein kultureller Missbrauch noch von gesellschaftlichen Institutionen
unterstützt wird, dann erzeugt es einen institutionellen Rassismus.“
Jedoch entgegnen manche Native Americans, dass sie Stolz empfinden, wenn
ihre Sportmannschaften ein indianisches Logo tragen und finden, dass ein
Teil ihrer Geschichte verloren ginge, wenn man all diese Bezeichnungen
abschaffen würde. Andere wiederum glauben, dass dieser Missbrauch von
indianischer Kultur so selbstverständlich ist, dass es keiner mehr
wirklich wahrnimmt. Trotzdem setzt schon langsam ein Umdenken ein. Seit
1969 haben sich schon mehr als 600 Sportmannschaften und Schulen von zum
Beispiel „Redmen“ auf „Red Storm“ oder von „Mohawks“ auf nur
„Hawks“ umbenannt.
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Stereotypen machen
es den indianischen Nationen nicht leichter, ihre Kulturen zu bewahren.
Klischees fördern die Frustration, Angst und Unsicherheit unter den
Indigenen viel mehr, als dass sie etwas nützen. Die geringschätzige
Haltung der Weißen gegenüber den Native Americans schlägt auf deren
Selbstwertgefühl, vor allem unter den jüngeren. So wirken sich diese
Vorurteile oft auch im praktischen Leben aus, wie zum Beispiel bei der
Arbeitssuche. Aufklärungsarbeit in den Schulen wird nun weiter gefördert,
um ein besseres Verständnis für die politische und soziale Situation
der Native Americans zu bieten, um das so verzerrte Image der Indianer
zu korrigieren.
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