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OKLAHOMA
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Vielvölkerstaat indianischer Nationen
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von Mike Austin
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Geographie,
Demographie und Wirtschaft
Oklahoma
liegt mit einer Fläche von
180 000 km2 am südlichen Rand
der Großen Prärien des nordamerikanischen Mittelwestens, nur das östliche
Drittel besteht aus Hügelland mit Wäldern und ausreichenden natürlichen
Wasservorkommen. Die Hauptwirtschaftszweige sind Rinderzucht,
Weizenanbau, Öl- und Rüstungsindustrie. Autonomes Indianerland nimmt
ungefähr zwei Drittel des Bundesstaates ein.
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Besonders
charakteristisch ist die leuchtend rote Farbe der Erde. Die indianische
Bevölkerung führt dies metaphorisch auf das Blut ihrer Vorfahren zurück,
die durch den amerikanischen Völkermord an ihnen umgekommen sind.
“Rose Rock”, die roten Baritsteine, die wie feinziselierte Rosen
aussehen und weltweit nur hier und in der Mongolei zu finden sind,
werden als versteinerte Tränen angesehen. Der Name “Oklahoma” kommt
aus der Muskogean-Sprache der Choctaw und bedeutet wörtlich “Rote
Menschen”. Rot symbolisiert in den philosophischen Weltanschauungen
vieler Urvölker Amerikas Blut und Erde.
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Oklahoma
hat insgesamt 3,5 Millionen Einwohner und weist laut letzter US-Volkszählung
(2000) mit 650 000 die höchste indianische Bevölkerungsdichte eines
Bundesstaates auf. Gleichzeitig ist dieser Bundesstaat jener mit der größten
Zahl verschiedener indigener Völker, die in einer einzigen Region in
Nordamerika leben. Sie repräsentieren 15% aller überlebenden Menschen
indianischer Nationen, die heute in den USA beheimatet sind. Die
Wirtschaft dieser indigenen Nationen hat einen wesentlichen Einfluss in
dieser Region und trägt jährlich über 7,8 Mrd. US-$ zur Ökonomie
Oklahomas bei. Wegen der hohen Dichte der indigenen Völker unterhält
das BIA zwei Regionalbüros, eines in Muskogee im Osten des Staates, ein
anderes in Anadarko im Westen. Das kleinste Volk sind die Modoc, 200,
das größte die Cherokee mit 280 000 BürgerInnen.
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Jede
der 39 Indianernationen in Oklahoma hat ihre eigene Kultur, Tradition,
Geschichte und Sprache. Diese Nationen und ihre Völker verfolgen eine
Vielfalt an unterschiedlichen Strategien, um die grundlegenden Elemente
ihrer Kulturen für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Außenstehende
können oft nicht die Wichtigkeit kultureller Ausprägungen in ihrer
Gesamtheit begreifen, wie diese mit dem täglichen Leben der Menschen,
ihrer Spiritualität und Ordnung in Zusammenhang stehen. Der Erhalt
dieser Kulturen wird oftmals als Widerspruch zu einem
"sinnvollen" Fortschritt nach den modernen Anforderungen des
21. Jahrhunderts gesehen. Jedoch zeigt sich, dass die vielen Kulturen
Oklahomas tatsächlich die Grundlagen bilden, woraus sich alle Dinge –
auch moderne - entwickeln. Es sind die jeweiligen Kulturen, die die
indigenen Bevölkerungen bestärken, dass sie in beiden Welten gehen müssen,
um erfolgreich weiterbestehen zu können. Mit dieser Strategie bewältigen
viele Völker Oklahomas geschickt eine ökonomische Weiterentwicklung,
um ernstzunehmende Spieler in der US-Wirtschaft zu sein und so ihre
ureigenen Plätze für Zukunftsgenerationen zu sichern.
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Oklahoma
ist vergleichbar mit einem bunten Gobelin, zusammengenäht aus den
vielen Völkern, die hierher gebracht worden sind. Jeder Faden ist
umflossen von ihren Energien und die Flickwerke sind von ihrem Geist
durchdrungen. Die Stärke Oklahomas liegt in der Einzigartigkeit jedes
dieser Völker, und diese Einzigartigkeit drückt sich in jedem ihrer
Menschen aus, die hier um den Fortbestand ihres Volkes bemüht sind.
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Geschichtlicher
Abriss
Die
Ankunft der EuropäerInnen und ihre konsequenten Kolonisierungs-
bestrebungen lösten in der Welt der Ersten Völker
Amerikas bis dahin unvorstellbare Folgen aus. Aus dem US-amerikanischen
Unabhängigkeitskrieg geboren, wurden 1776 die Vereinigten Staaten von
Amerika (USA) vorwiegend von englischen und deutschen KolonistInnen an
der Ostküste Nordamerikas errichtet. Schon bald stießen die folgenden
Einwanderungswellen an die Grenzen der Kolonien, und der Druck auf die Völker
und ihr Land westlich der Appalachen-Berge stieg an. Gleichzeitig
entstand das Konzept der sogenannten “Manifest Destiny”, durch
welche ein "weißes" Sendungsbewusstsein als nationale
Philosophie ausgedrückt wurde; dieses Land war den EuroamerikanerInnen
von Gott beschert worden, lag lediglich brach da, und wartete darauf,
den indigenen Völkern weggenommen zu werden.
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1830
wurde das Indianervertreibungsgesetz (Indian Removal Act) vom
US-Kongress verabschiedet. Dazu hatten die USA westlich des Mississippi
das Indianerterritorium (IT) geschaffen. Dies sollte “so lange das
Gras wächst und die Wasser fließen” die Heimat der indigenen Völker
östlich des Mississippi werden. In der Folge wurden bis 1890 über 70
verschiedene indianische Völker oder deren Überlebende aus allen
Teilen der heutigen USA, außer Alaska und Hawaii, in das IT
umgesiedelt. Jedes dieser Völker musste seinen “Weg der Tränen”
gehen, um in das IT zu kommen.
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Die gewaltsame Umsiedelung wird deshalb
"Weg der Tränen" (Trail of Tears) genannt, da bei dieser
ethnischen Säuberung etwa 25% der Cherokee umkamen (1838-39); viele
mehr verstarben nach der Ankunft. Auch die bereits im IT ansässige
indigene Urbevölkerung, die Caddo, Comanche, Kiowa, Osage und Wichita,
wurden in Reservate gezwungen.
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Die
Verwaltung der von den USA eroberten indigenen Nationen wurde von der
dazu neuerrichteten Indianerbehörde “Bureau of Indian Affairs"
(BIA) wahrgenommen, die zunächst dem Kriegsministerium untergeordnet
war. Die BürgerInnen dieser indianischen Nationen waren nach ihren
verzweifelten Freiheitskämpfen zu Kriegsgefangenen geworden, die nun
einem massiven Assimilierungsprozess unterworfen wurden. Erst 1949 wurde
das BIA dem Innenministerium unterstellt.
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Nach
dem US-amerikanischen Bürgerkrieg 1861-63 drängten die
euroamerikanischen SiedlerInnen abermals gegen Westen. Nachdem in den
Jahren bis zur Jahrhundertwende alle umliegenden Territorien
US-Bundesstaaten geworden waren, verblieb das IT mit den vielen
“befriedeten” indianischen Völkern und Nationen eine der letzten
"Frontiers" der USA. 1887 wurde der “Allotment Act” als
Gesetz zur Privatisierung aller indianischen Länder verabschiedet, das
gleichzeitig jede Form indianischer Selbstverwaltung auflöste. Jedem Bürger
dieser indigenen Nationen im IT wurden 13 ha als Eigentum zugeteilt. Aus
dem “überschüssigen” Indianerland wurde 1907 Oklahoma gegründet
und als 46. Bundesstaat formell den USA eingegliedert.
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In
Oklahoma machte sich unter den Menschen der vielen Völker eine
lethargische Verzweiflung breit, die in weiterer Folge den Beginn eines
epidemischen Alkoholismus bedingte. Einigen dieser Völker gelang es –
allerdings nur im Untergrund - eine Art Selbstverwaltung fortzuführen,
um das Überleben der ureigenen Identität zu sichern. Mit
unterschiedlichsten Strategien, wurde von Regierungsseite immer wieder
versucht, indianische Nationen aufzubrechen und zu assimilieren.
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Die
großen Ölfunde der 1920er Jahre in Oklahoma brachten schließlich noch
mehr AmerikanerInnen mit ihrem steigenden Energiebedarf und Landhunger
nach Oklahoma. Mit allen Mitteln wurde versucht, sich weiteres
Indianerland anzueignen, was zum sogenannten “checker-boarding” des
indigenen Landes beitrug. Noch heute stellt dies eine wesentliche
Barriere zur Konsolidierung der indianischen Landbasis dar.
“Checker-boarding”, wörtlich übersetzt “Verschachbrettung”,
war erst durch den Allotment Act möglich geworden. Durch Landübertragung
in Privatbesitz und ohne den “Schutz” einer ausreichenden treuhändischen
Verwaltung des BIA war es den AmerikanerInnen erleichert worden, Grund
und Boden der großteils stark verarmten und unter massiven
psychosozialen Problemen leidenden indianischen Bevölkerung
aufzukaufen. Diese Situation wiederum war eine grundlegende Voraussetzung zur Schaffung des Bundesstaates Oklahoma.
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Politischer
und kultureller Aufbruch
Erst
nach dem 2. Weltkrieg, während dem eine große Zahl indianischer
SoldatInnen im US-Militär gedient hatte, ließ ein neues Erwachen im
Indianerland Hoffnung aufkeimen. Im Zuge der bestehenden
Assimilierungspolitik hatten alle IndianerInnen 1924 ungefragt die
US-Staatsbürgerschaft mit dem Ziel erhalten, sie weiter in die
amerikanische Gesellschaft zu integrieren. Dabei wurde jeder Ausdruck
kultureller und vor allem politischer Identität der indianischen Bevölkerungen
entweder kriminalisiert oder war zumindest verpönt. Dies stand und
steht im Gegensatz zu den Grundsätzen der US-Verfassung, die jedem/r
US-BürgerIn Redefreiheit, Religionsfreiheit und “Ausübung des persönlichen
Glücks” garantieren sollte.
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Trotzdem
begann sich in Oklahoma bei vielen indigenen Völkern ein merkbarer
Aufbruch abzuzeichnen. Es sollte allerdings bis in die späten 1970er
Jahre dauern, bis die letzten Gesetze der rigorosen US-Unterdrückungspolitik
aufgehoben wurden. Langsam organisierte sich eine Vielzahl der indigenen
Nationen in modernen Selbstverwaltungen, die gleichzeitig eigene
wirtschaftliche Initiativen zu verfolgen begannen.
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Die
US-Indianerpolitik erfolgte und erfolgt in gegensätzlichen Wellen. Während
indianischen Nationen seit dem 19. Jahrhundert mehrmals die vollständige
Auflösung drohte, wurden sie eine Generation später – bedingt durch
einen liberaleren Zeitgeist - zu einer limitierten Selbstverwaltung
ermutigt. In den 1950er Jahren erfolgte wieder eine Wende zur
“Termination” (Auflösung), was u.a. auch die Aussetzung aller 578
Verträge zwischen den USA und indianischen Nationen bedeutete. Diese
Politik schwenkte um 1975 wieder in die Gegenrichtung, als Gesetze zur
verstärkten Selbstverwaltung und Kontrolle der eigenen Bildungssysteme
verabschiedet wurden. Erst aufgrund dieser letzten Wende konnten sich
die von der US-Regierung in Oklahoma offiziell anerkannten 39
indianischen Nationen dauerhaft etablieren (s. Kasten unten). Manche
allerdings verschwanden für immer.
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Am
Beginn des 21. Jahrhunderts zeichnet sich für viele dieser Völker eine
neuerliche Erstarkung ab, die durch innovative wirtschaftliche, soziale
und kulturelle Initiativen bedingt ist. Erst relativ spät im Vergleich
zu anderen indigenen Nationen Nordamerikas konnten sich in Oklahoma etwa
indianische Glückspielunternehmen etablieren. Mit deren Einnahmen wurde
in andere Unternehmen investiert. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich
die wirtschaftlichen Aktivitäten vor allem auf Landwirtschaft und Ölindustrie
beschränkt. Auch Kapital aus diesen Branchen wurde nach und nach zur
wirtschaftlichen Diversifizierung eingesetzt. So weist Oklahoma heute
eine vielfältige Bandbreite indianischer Ökonomie auf, die
gleichzeitig auch der nicht-indianischen Bevölkerung in dieser Region
zu Gute kommt.
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Die
39 von der US-Regierung in Oklahoma offiziell anerkannten indigenen
Nationen
Absentee
Shawnee Tribe, Alabama Quassarte Tribal Town, Apache Tribe, Caddo
Tribe, Cherokee Nation, Cheyenne-Arapaho Nations, Chickasaw Nation,
Choctaw Nation, Citizen Potawatomie Nation, Comanche Nation, Delaware
Nation, Delaware Tribe of Indians, Eastern Shawnee Tribe, Ft. Sill
Apache Tribe, Iowa Tribe, Kaw Nation, Kialegee Tribal Town, Kickapoo
Tribe, Kiowa Tribe, Miami Nation, Modoc Tribe, Muscogee Nation, Osage
Nation, Ottawa Tribe, Otoe-Missouria Tribe, Pawnee Nation, Peoria
Tribe of Indians, Ponca Nation, Quapaw Tribe, Sac & Fox Nation,
Seminole Nation, Seneca-Cayuga Tribe, Shawnee Tribe, Thlopthlocco
Tribal Town, Tonkawa Tribe, United Keetoowah Band, Wichita &
Affiliated Tribes, Wyandotte Nation, Yuchi Tribe of Indians.
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Internetadressen
für mehr Informationen und Bilder:
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