Aktuelle Entwicklungen in Alaska: Drillbohrungen verschoben

Drillbohrungen auf Dezember verschoben

Defend the sacred - protect the arcticDie New York Times berichtete am 7. Februar 2019, dass die für das Frühjahr dieses Jahres geplanten seismischen Bohrungen auf den Dezember verschoben werden. Die New York Times spricht von einem „vorübergehenden Sieg für Umweltgruppen und Wissenschaftler, die sich dem Projekt widersetzen“.

Das durchführende Unternehmen SAExploration hat um den Aufschub gebeten, da noch keine genauen Pläne für die seismischen Tests vorliegen.

Das „Bureau of Land Management (BLM)“ hat angekündigt, dass sie in diesem Jahr die Nutzungs-Leasingverträge für die Ölgewinnung zum Verkauf anbieten werden. Es werden in dem Küstengebiet im Nordosten Alaskas – kurz als die „1002-Länder“ bezeichnet – Milliarden Barrel Öl vermutet. Da die seismischen Tests auf den nächsten Winter verschoben wurden, müssen sich die bietenden Ölfirmen nun auf seismische Tests verlassen, die vor 30 Jahren durchgeführt wurden.

Der Kampf der Umweltschützer und der Gwich’in um das Arctic Refuge

Umweltschützer und die in diesem Gebiet beheimateten Gwichin befürchten durch die seismischen Tests massive negative Auswirkungen für die Population der Southern-Beaufort-Polarbären, die dadurch vom Aussterben bedroht sein könnten und die Porcupine-Karibus, die hier jedes Frühjahr ihre Kälber zur Welt bringen. Die Porcupine-Karibus sind für die dort lebenden indigenen Gwich‘in physisch, kulturell und spirituell überlebensnotwendig.*)

Das Bureau of Land Management und das Unternehmen SAExploration sind jedoch der Meinung, dass die neuen seismische Technologien die Umwelt und die dort lebende Tierpopulation „kaum nachhaltig“ beeinflussen.

Das Naturschutzgebiet Arctic National Wildlife Refuge

Das Naturschutzgebiet Arctic National Wildlife Refuge

Das Arctic National Wildlife Refuge ist eigentlich Naturschutzgebiet, das jetzt nicht nur durch die seismischen Tests, sondern auch durch die anschließende Ausbeutung durch die Ölfirmen bedroht ist.

Abkommen zwischen USA und Kanada zum Schutz der letzten frei ziehenden Porcupine Karibu-Herden

1987 wurde ein Abkommen zwischen der Regierung Kanadas und der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika zum Schutz der Porcupine-Karibu-Herden unterzeichnet und damit das „International Porcupine Caribou Board (IPCB)“ eingerichtet.**) Gemeinsam mit First-Nation-Vetretern der Region und Regierungsmitgliedern aus Kanada und den USA soll der Schutz und der Erhalt der letzten frei ziehenden Karibu-Herden gewährleistet werden.

Die letzten frei ziehenden Porcupine-Karibu-Herden kalben in dem von seismischen Tests und Ölabbau bedrohtem Gebiet

Die letzten frei ziehenden Porcupine-Karibu-Herden kalben in dem von seismischen Tests und Ölabbau bedrohtem Gebiet

Alle Mitglieder des Porcupine Caribou Management Agreement (PCMA) haben einstimmig erklärt, dass die Erschließung des Arctic National Wildlife Refuge aufgrund der schädlichen Auswirkungen auf die Porcupine Karibu-Herden nicht erlaubt ist. Die Karibus suchen die „1002-Länder“ nur für ungefähr einen Monat im Jahr auf – für die Zeit des Kalbens. Wird dieses Gebiet durch die Ölgewinnung zerstört, ist somit auch der Erhalt der Herden massiv gefährdet.

Umweltverträglichkeitserklärung statt Umweltverträglichkeitsprüfung?

Die Alaska-Abteilung des Bureau of Land Management mit Sitz in Anchorage (Alaska), bereitet die gesetzlich vorgeschriebene Umweltverträglichkeitserklärung (Environmental Impact Statement, EIS) vor, um – wie es heißt – das Öl- und Gas-Leasing-Programm in der Küstenebene des Arctic National Wildlife Refuge zu implementieren. So steht es auf den offiziellen Seiten des Bureau of Land Management.

Nirgends ist hier die Rede davon, dass es einen Ausstieg aus dem Programm aufgrund negativer Ergebnisse einer Umweltverträglichkeitsprüfung geben könnte.

Einwände gegen das Programm können bis zum 13. März per Post oder Einreichung über eine Internet-Seite oder direkt bei den öffentlichen Veranstaltungen abgegeben werden. Derzeit werden öffentliche Versammlungen in: Anchorage, Arctic Village, Fairbanks, Kaktovik, Fort Yukon, Venetie, Utqiagvik und Washington, D.C. abgehalten.

Öffentliche Erklärung des Arbeitskreis Indianer Nordamerikas 

Der Arbeitskreis Indianer Nordamerikas hat gemeinsam mit der „European Alliance for the Self-Determination of Indigenous Peoples“ eine Resolution mit dem Titel „Resolution to Prohibit Opening the Coastal Plain for Oil and Gas Exploitation in the Calving and Post-Calving Grounds of the Porcupine Caribou Herd“ erstellt und den Leitern des Gwichin-Widerstands zur Verfügung gestellt.***)

Diese Resolution wurde von uns auch an das Bureau of Land Management als Einwand gegen das Öl- und Gas-Leasing-Programm in der Küstenebene des Arctic National Wildlife Refuge eingereicht.

Angelika Froech


*) Petra Krumme berichtete darüber in ihrem Artikel „Der Kampf der Gwich’in um das Arctic Refuge in Alaska – „den heiligen Ort, wo alles Leben beginnt“
Mehr dazu in der Dokumentation „The Refuge“, warum die Karibus für das Selbstverständnis des Gwich‘in überlebensnotwendig sind:


**) Link zu The Porcupine Caribou Management Board (PCMB)
http://www.pcmb.ca
Detaiierte Informationen mit weiterführenden Links – und eine Animation mit der Bewegung der Karibu-Herden:
http://www.pcmb.ca/1002

***) „Resolution to Prohibit Opening the Coastal Plain for Oil and Gas Exploitation in the Calving and Post-Calving Grounds of the Porcupine Caribou Herd“ des Arbeitskreis Indianer Nordamerikas gemeinsam mit der „Alliance European Alliance for the Self-Determination of Indigenous Peoples“:
https://www.arbeitskreis-indianer.at/gwichin_resolution_031118.pdf


Weitere Links zu Unterstützerseiten:

Link zu „Defend the secret Alaska“:
https://www.defendthesacredalaska.org

Link zum „Gwich’in Steering Committee“:
http://ourarcticrefuge.org

Hashtag der Unterstützer:
#ProtectTheArctic


Link zu Informationen des Bureau of Land Management:

Link zur Projektseite „COASTAL PLAIN OIL AND GAS LEASING PROGRAM EIS“ des Bureau of Land Management:
https://www.blm.gov/programs/planning-and-nepa/plans-in-development/alaska/coastal-plain-eis#quickset-planning_alaska_coastalplain_eis_4

Das beeindrucken lange Werk des U.S. Department of the Interior Bureau of Land Management mit dem Titel „Coastal Plain Oil and Gas Leasing Program Draft Environmental Impact Statement“ – das klar macht, dass ein Ausstieg aus dem Programm keine Option darstellt:
https://eplanning.blm.gov/epl-front-office/projects/nepa/102555/164448/200585/Coastal_Plain_Draft_EIS_Volume_1.pdf 


Das Logo „Defend the sacred – protect the arctic“ wurde freundlicher Weise von „Defend the sacred Alaska“ (www.defendthesacredalaska.org) zur Verfügung gestellt (Artwork by Jessi Thornton)

Fotos wurden der Dokumentation „The Refuge“ entnommen – Link dazu siehe oben unter *)


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