Birgil Kills Straight (Oglala Lakota) gestorben

Leider müssen wir von einem weiteren Todesfall aus Pine Ridge berichten. Wieder ist ein alter Vertrauter des Arbeitskreises Indianer Nordamerikas in die andere Welt übergetreten. Birgil Kills Straight starb 78-jährig am 10.02.2019 in seinem Haus in Kyle.

Birgil Kills Straight

Erstes Treffen der europäischen Unterstützungsgruppen für nordamerikanische Indianer in Berlin 1985 (Foto: Peter Schwarzbauer)

Birgil war eine schillernde Lakota-Persönlichkeit, der in seinem Leben eine Fülle von Aktivitäten gesetzt und eine Reihe von Funktionen erfüllt hat. Ich möchte hier nur auf einige ausgewählte Aspekte eingehen, die ich persönlich von ihm und durch ihn kennen gelernt bzw. erfahren habe.

Obwohl Birgil selbst dabei nie in Erscheinung getreten ist, gehörte er zu jenen Lakota Traditionellen, die 1973 das „American Indian Movement (AIM)“ nach Pine Ridge geholt haben, um Widerstand gegen das korrupte Regime des damaligen Stammespräsidenten, Dick Wilson, zu leisten. Daraus entwickelte sich die Besetzung von Wounded Knee 1973, die ein nationales und internationales Medienecho auslöste und auch innerhalb der USA die Problematik der Indigenen für die Öffentlichkeit erstmals sichtbar machte.

Birgil war als Vertreter des traditionellen „Lakota Treaty Council“ (ein Art traditionelle Stammesregierung neben dem offiziell von der US-Regierung etablierten Stammesrat) auch intensiv in den Landrechtskampf um die Black Hills eingebunden.
Auf dem Foto, welches wir vor kurzem im Zusammenhang mit dem Tod von Mike Her Many Horses beim Treffen mit dem damaligen österreichischen Außenminister veröffentlichten, steht er im Zentrum.

Für Birgil war der Erhalt der Lakota-Kultur ein wesentliches Anliegen, und zwar keineswegs im folkloristischen Sinne. Die Etablierung eines Bildungssystems in den 1970er und 80er Jahren im Pine Ridge Reservat, das die Lakota Kultur zumindest integriert und nicht nur auf dem aufgezwungenen „American Way of Life“ beruht, ist zu einem wesentlichen Teil auf sein Engagement zurück zu führen.
Die „Little Wound School“ und das „Oglala Lakota College“ hat er mit geschaffen.

Ich erinnere mich noch gut an die Gründung des “Lakota Funds” im Jahre 1985 – eine Art Mini-Bank der Lakota -, den auch Birgil ins Leben gerufen hatte. Wir waren damals eine dreiköpfige AKIN-Delegation auf „Fact-Finding-Mission“ im Lakota Gebiet. Birgil war natürlich bewusst, dass die Aufrechterhaltung von Kultur und Souveränität auch einer wirtschaftlichen Basis bedarf, die praktisch nicht vorhanden war (Shannon County, welches einen Großteil des Pine Ridge Reservats umfasst, gilt seit Jahrzehnten als der ärmste Bezirk in den USA lt. Volkszählung).

Als sich 1990 das Massaker von Wounded Knee 1890 zum hundertsten Mal jährte, organisierte Birgil einen Memorial Ride entlang der gesamten Route, die Big Foot damals mit seiner Gruppe von Minneconjou Lakota von Cheyenne River nach Pine Ridge/Wounded Knee zurückgelegt hat.

birgil kills straight

Big Foot Memorial Ride 1990. Birgil Kills Straight ganz recht, links neben ihm (gebückt nach unten) Arvol Looking Horse (Keeper of the Sacred Pine of the Lakota) (Foto: Reinhard Mandl)

Bei eisiger Kälte von bis zu -40 Grad Celsius ritten hunderte von Lakota. Der österreichische Journalist Gert Baldauf hat über diesen Ritt eine ausgezeichnete Dokumentation gedreht, die u.a. auch im ORF gezeigt wurde (Der lange Ritt der Sioux: 100 Jahre nach Wounded Knee).
Seit mittlerweile 29 Jahren halten die Lakota die Tradition dieses Ritts und die Erinnerung an die Ermordung von Big Foot und seiner Minneconjou Gruppe aufrecht.

Birgil Kills Straight war auch häufig in Europa, um in Kooperation mit den verschiedenen Unterstützungs- und Menschenrechtsgruppen (darunter auch der Arbeitskreis Indianer Nordamerikas) für die Sache der Lakota bzw. bestimmte Projekte Unterstützung zu erhalten.

Wieder ist einer der alten Garde von uns gegangen. Birgil, wir werden Dich sehr vermissen.

Peter Schwarzbauer


Nachruf von Indian Country Today:
Respected Lakota elder, Birgil Louie Kills Straight, dies at 78

Birgil Kills Straight

Eröffnung des 3. Treffens der europäischen Unterstützungsgruppen für nordamerikanische Indianer in Wien 1987 (v.l.n.r.: Mag. Reinhard Trink (AKIN), Birgil Kills Straight, Dr. Eva Nowotny (außenpolitische Beraterin des Bundeskanzlers), Prof. Charlotte Teuber (Politikwissenschaflerin an der Uni Wien) (Foto: Peter Schwarzbauer)

Birgil Kills Straight

Eröffnung der Fotoausstellung anlässlich des 100. Jahrestages des Massakers von Wounded Knee 1990 im Völkerkundemuseum in Wien (links: Dr. Christian Feest (Kurator für Nordamerika), Birgil Kills Straight) (Foto: Peter Schwarzbauer)

Posted in Alle, USA and tagged .