Die Buffalo Field Campaign (BFC) und die letzten freilebenden Bisons

Die Buffalo Field Campaign (BFC) setzt sich für den Erhalt und Schutz der letzten freilebenden Bisons in Nordamerikas im Yellowstone Nationalpark ein. Mitbegründer und derzeitiger Leiter Mike Mease wird unterstützt von Freiwilligen aus der ganzen Welt – so derzeit von Georg Bergthaler, Kultur- und Sozialanthropologe aus Wien und Mitglied des Arbeitskreises Indianer Nordamerikas.

Die letzten Bisons

Millionen von Bisons prägten einst das Bild der Ebenen Nordamerikas. Sie bildetet die Lebensgrundlage von vielen indigenen Stämmen.

Die geradezu blitzartige territoriale Expansion der Vereinigten Staaten von der nordamerikanischen Ostküste gen Westen hatte die fast vollständige Ausrottung der Bisons zur Folge. Gründe dafür waren eine Ökonomie, basierend auf der Ausbeutung von natürlichen Ressourcen – damals vorwiegend die Jagd und der Handel mit Fellen und Pelzen – gefolgt von euro-amerikanischer Besiedlung und damit einhergehender Umstrukturierung ländlicher Flächennutzung und Bewirtschaftung.

Anfang des 20. Jahrhunderts hatten sich gerade einmal eine kleine 23-köpfige Herde im Gebiet des 1872 gegründeten Yellowstone Nationalparks erhalten. 
Nur aufgrund staatlicher Überwachung durch die US-Armee konnten einige wenige der genetisch unveränderten Population von Yellowstone-Bisons der Massenabschlachtung durch Pelzjäger entkommen, welche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die letzten großen Herden der in vorkolonialer Zeit bis zu 60 Millionen Bison in zuvor nie dagewesenem Tempo vernichtet hatten.

Mittlerweile konnte sich die Bisonpopulation von Yellowstone wieder auf rund 3.500 Tiere erholen.

„Beefalos“ und Rinder anstelle der heimischen Bisons

Abseits der Yellowstone-Bisons waren bereits zu dieser Zeit fast alle anderen vereinzelt übriggebliebenen Bisons mit europäisch eingeführten Rinderarten gepaart worden – zum Zwecke der Domestizierung. Produkt dieser Paarung waren sogenannte “Beefalos”, welche trotz ihres zahmeren Geistes das äußere Erscheinungsbild ihrer wilden Geschwister behielten.

An die Stelle der früheren Bisonherden traten vorwiegend Rinder, welche zu zigtausenden über die großen Prärien und Steppen Kontinental-Nordamerikas getrieben wurden. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Rinderherden dann sukzessive auf großen Ranchflächen eingegrenzt, welche von europäisch-stämmigen Erstankömmlingen nach US-Kolonialrecht für sich beansprucht wurden.

Reist man daher heute mit dem Auto durch den mittleren Westen der USA und Kanadas findet man nicht mehr die frei zugänglichen weiten Graslandschaften vor, die noch gut 150 Jahre zuvor die Heimat abermillionen von Bisons war, sondern eingezäunte Großgrundbesitztümer, auf welchen entweder Viehzucht oder großflächiger Ackerbau betrieben wird.

Ein koloniales Erbe: Rinderbarone gegen Bisons

Eine Wiederausbreitung der Bisons auf den Grasländern außerhalb des Nationalparks ist vor allem von Seiten der Großgrundbesitzer – etablierten Rinderbaronen – nicht erwünscht. Als fundamentale ökonomische Klasse und durch die Verkörperung einer idealisierten Lebensweise – dem romantisierten Cowboydasein – haben Rancherfamilien bis heute hochrangige politische Verbindungen bis nach Washington und sind symbolisch tief im kollektiven und repräsentativen Selbstverständnis der USA verankert.
Obwohl immer mehr Menschen in den USA (außerhalb von Indianerreservaten) aus ländlichen Regionen in dicht besiedelte Zentren des Landes abwandern und auch landwirtschaftliche Flächennutzung tendenziell im Rückgang begriffen ist, wird – wie auch in Europa – der primäre Wirtschaftssektor durch staatliche Förderungen am Leben erhalten.

Für viele der Rancher geht es um die Fortführung einer Lebensweise, die sie, wie indianische Bewohner derselben Ländereien vor ihnen, nicht ohne weiteres aufgeben möchten. Neben privaten Weideflächen nutzen Rancher auch öffentliche Grassteppen in den US National Forests, die sie keinesfalls für Wildbisons aufgeben wollen.

Das Ringen um öffentliche Länder erhöht Spannungen mit Ranchern, für die die Rückkehr von wilden Bisonherden vor allem angesichts finanzieller Überlebensängste eine unwillkommene Bedrohung darstellen.

„Western Watersheds Project“ ist eine Initiative von Rechtsanwälten, die auf Basis nachweißlicher Wasserverschmutzung durch Zuchtvieh versucht, über den Gerichtsweg private Rinderherden von den staatlichen Graslandschaften zu verbannen – unter anderem auch um diesen Lebensraum wieder für ihre ökologischen Ureinwohner – die Plains-Bisons Nordamerikas – freizumachen.

Die Vernichtung der Bisons geht weiter

Jegliche Rehabilitierungsversuche von Wildbisons in den Bundesstaaten Montana und Idaho, die beide im Westen an den Yellowstone Nationalpark angrenzen, wurden bisher vereitelt.

Mittels Gehege-Fallen werden Bisons eingefangen und anschließend in Schlachtungsanstalten abtransportiert. In Ausnahmefällen werden sie an andere US-Nationalparks bzw. indigene Schutzgebiete auf Reservationen weitervermittelt – allerdings erst nach bis zu zwei jähriger Quarantäne in Gatterhaltung.

Die überschaubare Zahl an Bisons, welche bei Migrationen im Winter bzw. Frühjahr an den Fallen vorbeiwandern oder vorbeigelassen werden, ist zur Bejagung durch sogenannte „State Hunters“ oder auch indianische Jäger mit Vertragsrechten auf die Bisonjagd freigegeben. Diese tödliche Dynamik wird durch den „Interagency Bison Management“-Plan abgesichert, welcher den Umgang mit den letzten genetisch unveränderten Wildbisons Nordamerikas zwischen dem Yellowstone Nationalparkpersonal, dem US Department of Fish, Wildlife and Parks und dem Montana Department of Livestock regelt und Aufgabenbereiche zuteilt. Letztere Agentur hat die Verwaltungshoheit über Bisons außerhalb des Parks inne und agiert kompromisslos im Interesse der Rinderbarone, ohne jegliche wissenschaftliche Legitimation.

Brucellose, eine Rinderkrankheit, welche von Europa im vergangenen Jahrhundert nach Nordamerika eingeschleppt wurde, dient als scheinbare Begründung für die strikte Verbannung von Bisons in Nationalparks und andere ausgewiesene „Schutzgebiete“. Jedoch wurde außerhalb von Laboratorien die Übertragung der Krankheit von Bisons auf Kühe niemals verzeichnet oder nachgewiesen.
Wapiti Hirsche hingegen, welche regelmäßig in großen Ansammlungen neben Rinderherden äsen und das Vieh mit dem “gefürchteten” Erreger anstecken, sind mit keiner Einschränkung ihrer alljährlichen Migrationsbewegungen entlang der an die Rocky Mountains angrenzenden öffentlichen wie privaten Grasländer zwischen den USA und Kanada konfrontiert.
Das tatsächliche Motiv der Rancherlobby ist klar: es geht um Gras. Denn mehr Gras bedeutet mehr Futter für mehr Rinder und verspricht damit höhere Profite.

Die Buffalo Field Campaign zum Erhalt der letzten Bisons

Die 1997 von der Lakota Ältesten Rosalie Little Thunder aus Rosebud und dem Tierschutzaktivisten Mike Mease ins Leben gerufene Buffalo Field Campaign versucht seit nun über 20 Jahren die Thematik an eine breitere Öffentlichkeit zu vermitteln – sei es über Öffentlichkeitsarbeit durch Infostände im Park, nationalen und internationalen Speaking Events, regionalen Demonstrationen und Dokumentationsfilmen. Abseits davon macht sich die Initiative kompromisslos für Habitatsgewinn stark und setzt sich dafür ein, dass Bisons entlang von Wildtierkorridoren auch in andere Teile des Landes wandern dürfen, wie dies auch Wapiti-Hirschen und anderen Tierarten gestattet ist.

Hütten im Camp der Buffalo Field Campaign

Gegen die Jagd auf Bison per se ist man bei der BFC nicht, im Gegenteil; Vertragsrechte auf traditionelle Jagd durch indigene Gruppen werden befürwortet und respektiert. Nur die Jagd unter den gegenwärtigen Umständen, welche die genetische Vielfalt der Wildbisons aufgrund der geringen Stückzahlen erheblich einschränkt und damit ihre Anfälligkeit auf Krankheiten und Missbildungen erhöht, will man keinesfalls unterstützen.

Während der kritischen Wintermonate, wenn Bisons in die Fallen am Parkrand laufen oder aus dem Park in die Hände von Jägern geraten, patrouillieren Volontäre und deren vorgesetzte Koordinatoren der Buffalo Field Campaign an den Parkgrenzen, um etwaiige Rechtsverletzungen, Übergriffe und Misshandlungen der Tiere zu dokumentieren, aber auch um Aufklärungsarbeit unter den Jägern zu leisten, welche über die kritische Situation der Wildbisons selten im klaren sind.

Ich bin seit 7. November mit meiner amerikanischen Freundin Mackenzie im Aktivisten-Lager der Buffalo Field Campaign am Hebgen Lake, welches sich auf circa 2.000 Metern Seehöhe in der Nähe des Westeingangs des Yellowstone National Parks befindet.Wir leben in einem Tipi, dass uns Mike zur Verfügung gestellt hat.

Im nächsten Beitrag berichte ich über unser Leben im Tipi und unserem Arbeitsalltag bei der Buffalo Field Campaign.

Georg Bergthaler, MA


copyright alle Fotos: Georg Bergthaler

Link zur Buffalo Field Campaign: www.buffalofieldcampaign.org

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