Verhaftungen am Unist’ot’en Camp (British Columbia)

Polizeieinsatz im Unistoten-Camp (Bildquelle: Democracy Now!)

Anfang Januar verhaftete die RCMP indigene Aktivisten, welche mittels Blockade ein Pipeline-Projekt in British Columbia verhindern wollen.
Die Einsatzkräfte verweigerten zudem Journalisten den Zutritt und behinderten die freie Berichterstattung.
Dies rief landesweiten Protest in Kanada hervor und Tausende von Indigenen, Aktivisten und Unterstützern gingen zu Solidaritäts- und Protestmärschen auf die Straße. Die Aufnahmen des Polizeieinsatzes fluteten das Internet.

TransCanada, der kanadische Energiekonzern, der auch die Keystone Pipeline betreibt und um die Keystone XL erweitern will, will mit seinem Coastal GasLlink Pipeline Project Erdgas von Dawson Creek im Nordosten British Columbias quer durchs Innere der Provinz zur LNG-Anlage von Kitimat transportieren, um von dort das Flüssigerdgas (liquid natural gas) zu den asiatischen Märkten zu exportieren. Dabei würde die 670 km lange Pipeline, deren Bau Anfang 2019 beginnen sollte, das Land der Wet’suwet’en durchqueren.

Unist’ot’en Camp

Unist’ot’en Camp (Bildquelle Democracy Now!)

Bereits 2010 errichteten die Unist’ot’en (eine Untergruppe der Wet’suwet‘en) ein Widerstandscamp rund 60 km südlich von Houston am Ufer des Wedzin kwa (Morice River). Hier liegt die einzige Brücke, die über den Fluss und ins traditionelle Territorium der Unist’ot’en führt. Wer das Gebiet betreten will, muss ein Protokoll unterzeichnen, das die Rechte der Indigenen und das FPIC-Prinzip der UN-Deklaration der Rechte der indigenen Völker anerkennt. Dieses besagt, dass für alle sie betreffenden Projekte die freie, vorherige und informierte Zustimmung der Indigenen einzuholen ist.

Davon kann natürlich hinsichtlich der geplanten Coastal GasLink Pipeline keine Rede sein. Die Unist’ot’en wie auch die Hereditary Chiefs der Wet’suwet’en haben sich energisch gegen das Projekt ausgesprochen und errichteten eine Blockade, mit der sie den Arbeitern den Zutritt zu ihrem Gebiet verweigerten. Auch die Gidimt’en errichten einen Checkpoint, den nur passieren durfte, wer die Genehmigung der Indigenen erhält.

Im Dezember 2018 verhängte ein Gericht eine Aufhebung der Blockade und forderte die Indigenen auf, die Arbeiter ins Gebiet zu lassen.

Am 7. Januar 2019 rückte die RCMP an, um die errichteten Barrikaden am Gidimt’en Checkpoint aufzulösen. 14 Aktivisten wurden verhaftet und die RCMP verhängte eine Zugangssperre zu dem Gebiet. Man sei nur um die Sicherheit aller Beteiligten besorgt, so ein Presseerklärung der RCMP, darüber hinaus respektiere man natürlich die indigenen Rechte. TransCanada erklärte, das Unternehmen sei um eine einvernehmliche Lösung bemüht, zumal es mehrere Vereinbarungen mit First Nations der Region geschlossen habe.

Allerdings beharren die Hereditary Chiefs der Wet’suwet’en auf ihrer Ablehnung des Pipeline-Projekts und der Anerkennung ihrer traditionellen Landrechte. Die Wet’suwet’en waren Mitkläger im wegweisenden Verfahren Delgamuukw v. British Columbia, das auch die Basis für das Tsilquot’in-Urteil zur Anerkennung indigener Rechte bildete.

Am 10. Januar einigten sich die Hereditary Chiefs der Wet’suwet’en mit der RCMP auf eine vorübergehende Lösung. Man sei gewillt, die Blockade aufzuheben und den Arbeitern der Coastal GasLink Pipeline Zugang zu gewähren, sofern die RCMP zusichere, das Unist’ot’ein Camp unberührt zu lassen. Die vorläufige Vereinbarung sei jedoch keine Zustimmung zum Pipeline-Projekt, betonte Chief Na’moks.

Das Projekt sieht sich allerdings nicht nur mit dem Widerstand der Indigenen konfrontiert, sondern könnte sich auch neuen Anforderungen des National Energy Board ausgesetzt sehen, das derzeit prüft, ob das Genehmigungsverfahren um weitere Untersuchungen von Seiten der Bundesbehörden ergänzt werden muss.

Monika Seiller, Aktionsgruppe Indianer & Menschenrechte e.V. (AGIM), München


Weiterführende Infos zum Unist’ot’en Camp:
Webseite: www.unistoten.org
Facebook: www.facebook.com/unistoten

Eine Vorlage zum einfachen Versenden einer Solidaritäts-E-Mail findet sich auf:
https://actions.sumofus.org/a/no-pipelines-through-unis-to-ten-lands

Bilder entnommen aus dem Videobericht von Democracy Now! vom 7.1.2019:
https://youtu.be/dE6gUXUexRg

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